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Investitionen am Allzeittief: Warum pauschales Kürzen bei der IT teuer wird
Angelo F.
Redaktion I STRATIQ GmbH
Aktuelle Entwicklung
Die Investitionsbereitschaft im deutschen Mittelstand ist auf den tiefsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 1995 gefallen. Das zeigt die Mittelstandsumfrage von DZ BANK und dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, veröffentlicht im Juli 2026, für die über 1.000 mittelständische Unternehmen befragt wurden. Nur noch 52 Prozent planen, in den kommenden sechs Monaten überhaupt in ihren Betrieb zu investieren. Der Wert liegt damit niedriger als während der Finanzkrise, der Corona-Pandemie oder der Energiekrise.
Bemerkenswert ist ein zweiter Befund derselben Umfrage. Während die Investitionsbereitschaft insgesamt einbricht, ist die Nutzung Künstlicher Intelligenz im Mittelstand von 8 Prozent im Jahr 2018 auf inzwischen 58 Prozent gestiegen. Auch die DZ BANK ordnet Digitalisierung und KI ausdrücklich als eines der wenigen Felder ein, in denen die Transformation schon heute zu wachsender Nachfrage führt. Der Mittelstand kürzt also breitflächig, investiert an einzelnen Stellen aber weiter.
Investitionsbereitschaft für KI im Mittelstand 2018
8%
Investitionsbereitschaft für KI im Mittelstand 2026
58%
Warum ist das für Sie relevant?
Wenn Budgets knapper werden, steht am Anfang meist eine einfache Frage: Wo streichen wir? In vielen Unternehmen wird die IT dabei als Ganzes betrachtet und pauschal gekürzt, weil sie in der Bilanz als Kostenblock erscheint und nicht als Beitrag zum Ergebnis. Genau das ist der teure Fehler.
Denn IT-Ausgaben sind kein einheitlicher Posten. Ein Teil sichert den laufenden Betrieb ab, ein Teil reduziert Risiken, ein Teil ermöglicht Wachstum oder Effizienzgewinne. Wer alle drei gleich behandelt und überall zehn Prozent streicht, spart oft an den Stellen, die am schnellsten Wirkung gezeigt hätten, und lässt die eigentlichen Kostentreiber unangetastet. Die aktuelle Lage verschärft das zusätzlich: Laut derselben Umfrage ist die durchschnittliche Eigenkapitalquote im Mittelstand binnen eines Jahres von 30,7 auf 26,5 Prozent gesunken. Der finanzielle Puffer für Korrekturen ist also kleiner geworden.
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Die häufigste Falschannahme
„In wirtschaftlich schwierigen Zeiten stellen wir IT-Projekte erst einmal zurück und holen sie später nach.“
Diese Annahme klingt vernünftig, unterstellt aber, dass sich IT-Investitionen beliebig verschieben lassen, ohne Folgekosten zu erzeugen. In der Praxis gilt das selten. Verschobene Modernisierungen führen zu höherem Wartungsaufwand, aufgeschobene Sicherheitsmaßnahmen erhöhen das Risiko, und verzögerte Automatisierung bindet weiterhin Personal in Tätigkeiten, die längst automatisiert sein könnten. Die Zahlen zur KI-Nutzung zeigen zudem, dass ein Teil des Mittelstands gerade jetzt investiert. Wer pauschal pausiert, verliert also nicht nur Zeit, sondern auch relativen Abstand zum Wettbewerb.
Hinzu kommt ein praktisches Problem: Verschobene Projekte verschwinden selten sauber aus der Planung. Sie bleiben als offene Vorhaben bestehen, binden weiterhin Aufmerksamkeit in Abstimmungen und werden später oft unter größerem Zeitdruck umgesetzt, was sie teurer macht als eine geordnete Umsetzung im ursprünglichen Zeitrahmen.
Auswirkungen auf mittelständische Unternehmen
Falsche Prioritäten. Ohne ein gemeinsames Bewertungsraster setzen sich in Kürzungsrunden häufig die Bereiche durch, die am lautesten argumentieren, nicht die mit dem größten Wertbeitrag.
Aufgeschobene Kosten. Was heute eingespart wird, taucht oft mit Aufschlag wieder auf, etwa als Notfallreparatur, teure Übergangslösung oder als Preis eines Sicherheitsvorfalls.
Sicherheitslücken. Sicherheitsmaßnahmen sind unbequem zu begründen, weil ihr Nutzen darin besteht, dass etwas nicht passiert. Genau deshalb landen sie in Kürzungsrunden schnell auf der Streichliste.
Wettbewerbsposition. Wenn ein relevanter Teil des Marktes gerade in Digitalisierung investiert, verschiebt ein pauschaler Investitionsstopp die eigene Position schrittweise nach hinten, auch ohne dass kurzfristig etwas spürbar wird.
Aus der STRATIQ-Projekterfahrung: Bei einem mittelständischen Modehersteller stand die IT unter deutlichem Budgetdruck. Statt pauschal zu kürzen, wurden im Assessment zunächst alle laufenden IT-Ausgaben und geplanten Vorhaben nach ihrem Beitrag zum Geschäft bewertet. Auf dieser Grundlage ließ sich unterscheiden, welche Investitionen tatsächlich verschiebbar waren und welche kurzfristig Wirkung zeigen würden. Das Budget wurde dadurch nicht größer, aber es floss gezielter dorthin, wo es messbar etwas bewirkte.
Handlungsempfehlungen
Als Geschäftsführer oder IT-Verantwortlicher sollten Sie sich diese Fragen stellen, bevor Sie IT-Budgets kürzen:
Können wir unsere IT-Ausgaben in Kategorien einteilen: Betrieb sichern, Risiko senken, Wachstum ermöglichen? Erst diese Unterscheidung macht eine sinnvolle Priorisierung möglich.
Welche Vorhaben zahlen erkennbar auf ein konkretes Unternehmensziel ein, und welche laufen einfach weiter, weil sie einmal beschlossen wurden?
Bei welchen Kürzungen entstehen Folgekosten, die den Spareffekt übersteigen? Diese Frage sollte vor jeder Streichung beantwortet werden, nicht danach.
Investieren Wettbewerber in unserem Marktsegment gerade in Digitalisierung? Ein pauschaler Stopp ist eine strategische Entscheidung, auch wenn er selten als solche behandelt wird.
Sinnvolle Maßnahmen sind eine Bewertung aller IT-Vorhaben nach Wertbeitrag statt nach Fachbereich, eine bewusste Trennung zwischen verschiebbaren und nicht verschiebbaren Investitionen sowie ein kurzer, dokumentierter Entscheidungsweg, der auch unter Zeitdruck nachvollziehbar bleibt.
Fazit
Die Investitionszurückhaltung im Mittelstand ist eine nachvollziehbare Reaktion auf ein schwieriges Umfeld. Problematisch wird sie erst, wenn sie pauschal erfolgt. Unternehmen, die ihre IT-Ausgaben nach Wertbeitrag sortieren, können in genau derselben Budgetlage bessere Entscheidungen treffen als Unternehmen, die überall gleichmäßig kürzen. Der Unterschied liegt nicht in der Höhe des Budgets, sondern in der Qualität der Priorisierung.
Im STRATIQ Enterprise IT Assessment werden IT-Ausgaben und Vorhaben systematisch nach ihrem Beitrag zu den Unternehmenszielen eingeordnet. Das schafft eine belastbare Grundlage für Investitionsentscheidungen, gerade wenn das Budget knapp ist. Vereinbaren Sie gerne ein unverbindliches Strategiegespräch, um Ihren aktuellen Stand einzuordnen.